Svenja Hofert hat Recht in ihrem Artikel: Gehen Sie in der Personalarbeit weg vom Talente managen hin zum Talente finden.
Denn besondere Talente sind meistens etwas „anders“. Hier ein Auszug aus ihrem exzellenten Beitrag:

Mich hat niemand gefragt. Ich hätte Ideen gehabt. Aber ich hätte mich nie getraut, sie auszusprechen, man hätte mich überschrieben wie eine Festplatte mit F:Format. Ich hätte auch gar keine Lust dazu gehabt. Und überhaupt: Warum sollte ich dem Unternehmen meine Ideen schenken?

So oder ähnlich denken unentdeckte Talente in Unternehmen, die niemand fragt und auf die niemand hört. Leute, die als stille Mitläufer oder sogar Minderleister eingestuft sind. Kein Talent Management wird sie je identifizieren. In Tests fallen diese Talente durch. Denn manche halten nicht viel von sich selbst. Deshalb machen sie ihre Kreuze eher vorsichtig. Nicht selten kratzen sie auch irgendwo am Extrem: Sie sind extrem introvertiert, extrem wenig anpassungsbereit, extrem chaotisch, extrem anders…

Talent Management hat die Aufgabe, kritische Rollen und Funktionen sicherzustellen. Es muss dafür sorgen, dass ein Unternehmen durch genügend Talente überleben kann. Indirekt heißt das, Unternehmen überlebensfähig auf globalen Märkten mit lauter roten Ozeanen zu halten.

Dies geht nur durch Innovation. Und die Voraussetzung von Innovation ist auf Gruppenebene ein Klima, das Innovation zulässt und auf der individuellen Ebene Kreativität. Die der Kreativität zugrunde liegenden Eigenschaften, teils angeboren oder zumindest früh gelernt, sind Unabhängigkeit, Offenheit für neue Erfahrungen und Unangepasstheit.

Die derzeitigen Talent Manager suchen aber nicht nach solchen Leuten. Sie suchen nach Messbarkeit – doch jede Messbarkeit fordert Anpassung. Sie versuchen Talente in Modelle zu fassen. Doch Talent folgt keinem klaren Muster. Sie orientieren sich am quantitativen Bedarf, richten sich an fachlicher Seltenheit aus. So wird eher ein Informatiker als ein Geisteswissenschaftler gesucht. Das Talent wird als Disziplin interpretiert und so missverstanden. Selten ist indes nicht die Disziplin, sondern die Begabung, komplexe Probleme zu lösen, neue Ideen zu haben. Diese Begabung hat mit der eingeschlagenen Fachrichtung wenig zu tun. Diese Begabung zu suchen, fordert Begabung – die Begabung neue Wege zu gehen, jenseits des Talent Managements.

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