Frankfurt am Main, 18. Juni 2015Personalvermittler und Stellensuchende fragen sich häufig, warum der Bewerbungsprozess so lange dauert. Ein heute veröffentlichter Bericht von Glassdoor Economic Research beziffert die durchschnittliche Dauer des Bewerbungsprozesses in Deutschland für das Jahr 2014 konkret auf 28,8 Tage. Das sind unter Verwendung bereinigter Daten über 3 Tage mehr als noch im Jahr 2010. Ein ähnlicher Trend ist in weiteren europäischen Ländern, Nordamerika und Australien zu beobachten, wobei der Prozess von der Bewerbung bis zum Jobangebot in Deutschland mehr als 5 Tage länger dauert als im Durchschnitt der westlichen Industrienationen (23,2 Tage)*.

„Verzögerungen im Bewerbungs- und Anstellungsprozess stellen sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber echte Kosten dar. Bislang gab es überraschend wenige Studien zur Dauer des Bewerbungsprozesses aus Sicht der Stellensuchenden und zum Einfluss der Personalpolitik von Unternehmen auf die Stellenbesetzung“, erklärt Dr. Andrew Chamberlain, Chief Economist bei Glassdoor. „Der Bericht von Glassdoor Research trägt mit neuen Erkenntnissen über die Dauer von Bewerbungsprozessen aus Sicht der Stellensuchenden dazu bei, diese Lücke zu schließen.“

In dem Research-Bericht mit dem Titel „Why is Hiring Taking Longer?“ („Warum der Bewerbungsprozess länger dauert“)** untersuchte Chamberlain den Anstellungsprozess aus Bewerberperspektive. In der Studie wurden Daten aus sechs westlichen Industrieländern untersucht und verglichen. Die Entwicklung der Dauer des Bewerbungsprozesses wurde auf Grundlage der Angaben, die Bewerber über ihre Vorstellungsgespräche gemacht und auf Glassdoor veröffentlicht haben, statistisch ausgewertet.

Der Bericht untersucht vier zentrale Bereiche: die durchschnittliche Dauer des Bewerbungsprozesses im vergangenen Jahr, die Änderungen im Vergleich zu früheren Zeiträumen, Faktoren, die zu Verzögerungen beigetragen haben und die Ursachen, warum es zu den Veränderungen kam. Neben dem Vergleich der Länder wurden diese vier Bereiche zudem für unterschiedliche Unternehmensgrößen, Stellenbezeichnungen, geografische Standorte und Branchenbereiche untersucht. Die internationalen Ergebnisse zeigen, dass der Bewerbungsprozess unter Berücksichtigung dieser Faktoren zum Teil erheblich länger dauert. Dies gilt beispielweise für die Bewerbung bei Behörden sowie bei Stellen im akademischen Bereich und bei Führungspositionen. Bei Stellen, die geringere Qualifikationen voraussetzen, liegt die Dauer des Prozesses wiederum unter dem Durchschnittswert.

Bewerbungsprozess in Europa langwieriger – weltweiter Trend zu längerer Dauer

Bezüglich der Dauer des durchschnittlichen Bewerbungsprozesses gibt es im internationalen Vergleich große Unterschiede. In den europäischen Staaten dauerte der Vorgang im Jahr 2014 länger als in den anderen Staaten der Untersuchung. An der Spitze liegt hier Frankreich mit durchschnittlich 31,9 Tagen, gefolgt von Deutschland (28,8 Tage) und Großbritannien (28,6 Tage). In Nordamerika geht der durchschnittliche Bewerbungsprozess erheblich schneller, in Kanada dauerte er 22,1 Tage, in den USA 22,9 Tage. Australien liegt mit 27,9 Tagen im Mittelfeld.

Der Trend ist in allen untersuchten Ländern ähnlich: In Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA, Kanada und Australien dauert der Bewerbungsprozess länger als vor fünf Jahren. Nach Bereinigung der Ergebnisse um wirtschaftliche Faktoren, die sich in diesem Zeitraum geändert haben – wie z. B. die Kombination aus Branchen, Stellen und geografischen Gebieten – hat sich der Bewerbungsprozess seit 2010 um durchschnittlich 3,3 bis 3,7 Tage verlängert und damit aus statistischer Sicht deutlich erhöht.

Demografische Bewerbermerkmale wirken sich nicht auf Dauer des Bewerbungsprozesses aus

Im Rahmen der Studie untersuchte Glassdoor Research auch, ob sich die demografischen Merkmale von Stellensuchenden wie Geschlecht, Alter und Bildungsstand auf die Dauer des Bewerbungsprozesses auswirken. In allen Fällen zeigten die Untersuchungen, dass diese demografischen Merkmale keinerlei Einfluss auf die Dauer des Bewerbungsprozesses haben.

US-Daten zeigen: Intensivere Auswahlmethoden von Arbeitgebern wirken sich auf Dauer des Bewerbungsprozesses aus

Die meisten Schritte des Bewerbungsprozesses haben sich in den letzten Jahren zwar kaum geändert, doch Bewerber berichten von einem Anstieg bestimmter Methoden bei der Personalauswahl. So sind zum Beispiel Hintergrundprüfungen von Bewerbern in den USA von 25 % im Jahr 2010 auf 42 % im Jahr 2014 angestiegen. Auch andere Auswahlmethoden wie Qualifikationstests (Anstieg von 16 % im Jahr 2010 auf 23 % im Jahr 2014), medizinische Untersuchungen (von 13 % im Jahr 2010 auf 23 % im Jahr 2014) und Persönlichkeitstests (12 % im Jahr 2010, 18 % im Jahr 2014) werden häufiger durchgeführt.

Jede dieser zusätzlichen von Arbeitgebern angewandten Auswahlmethoden erhöht die Dauer des Bewerbungsprozesses insgesamt um einen statistisch signifikanten Faktor und verlängert den Prozess mitunter um bis zu eine ganze Woche. In Fällen, in denen Arbeitgeber den gesamten Anstellungsprozess in Eigenregie durchführen, ist dies ein Faktor, über den die Personalabteilungen dieser Unternehmen die volle Kontrolle haben.

 

*Die Untersuchung wurde in folgenden Ländern vorgenommen: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA, Kanada, Australien.
**Bericht auf Grundlage von insgesamt 344.250 Beurteilungen zu Vorstellungsgesprächen, die zwischen Februar 2009 und Februar 2015 anonym auf Glassdoor veröffentlicht wurden.

Den vollständigen Glassdoor Research-Bericht „Why is Hiring Taking Longer?“ („Warum der Bewerbungsprozess länger dauert“) mit zentralen Erkenntnissen darüber, wie sich Branche, Stellenart und Unternehmensgröße auf die Dauer des Bewerbungsprozesses auswirken, finden Sie hier (auf Englisch): http://www.glassdoor.com/research/studies/time-to-hire-study/

 

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